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Terminausfälle Psychotherapie: Ursachen, Kosten und Lösungsansätze

Terminausfälle Psychotherapie: Evidenzbasierte Lösungsansätze gegen No-Shows. Von Terminerinnerungen über Ausfallhonorar bis Videosprechstunde.

CR
Clara Health Redaktion
Fachredaktion für digitale Therapie
12 Min. Lesezeit
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Terminausfälle Psychotherapie: Ursachen, Kosten und Lösungsansätze

Terminausfälle Psychotherapie — dieses Problem betrifft nahezu jede psychotherapeutische Praxis und geht weit über ein organisatorisches Ärgernis hinaus. Verpasste Sitzungen kosten erhebliche Einnahmen, belasten die therapeutische Kontinuität und blockieren Behandlungsplätze für wartende Patienten. Laut einer Auswertung des KBV-Terminservices lag die Ausfallrate bei über den Terminservice gebuchten psychotherapeutischen Terminen bei 27 Prozent (Coliquio/KBV, 2023). International deuten Studien darauf hin, dass in der psychischen Gesundheitsversorgung etwa jeder fünfte vereinbarte Termin nicht wahrgenommen wird (DeFife et al., 2010). Gleichzeitig warten Patienten in Deutschland durchschnittlich 142 Tage auf einen Therapieplatz (BPtK, 2020) — ein Widerspruch, der das gesamte Versorgungssystem belastet.

Dieser Artikel analysiert die Ursachen, beziffert die finanziellen Folgen und stellt sieben evidenzbasierte Ansätze vor, mit denen Sie Terminausfälle in Ihrer psychotherapeutischen Praxis systematisch reduzieren und die Praxisauslastung nachhaltig verbessern können.

Gut zu wissen
Begriffsdefinition: Die genannten Ausfallraten unterscheiden sich je nach Erhebungsmethode und Definition. Die 27 Prozent (KBV, 2023) beziehen sich auf über den Online-Terminservice gebuchte Termine. Die 5 bis 10 Prozent (PKV Institut, 2023) spiegeln die Selbsteinschätzung niedergelassener Behandler wider. Beide Werte beschreiben unterschiedliche Ausschnitte der Realität und sind nicht direkt vergleichbar.

Das Problem verstehen: Warum Patienten Termine versäumen

Bevor Sie Gegenmaßnahmen ergreifen, lohnt sich ein differenzierter Blick auf die Ursachen von Terminausfällen. DeFife et al. (2010) identifizierten in einer systematischen Untersuchung drei Hauptkategorien: symptombedingte Faktoren, praktische Hindernisse und motivationale Defizite. Diese Kategorisierung hat unmittelbare Konseqünzen für die Wahl der richtigen Präventionsstrategie.

Symptombedingte Faktoren umfassen Erkrankungen, die das Wahrnehmen von Terminen direkt erschweren. Patienten mit schwerer Depression fehlt häufig der Antrieb, das Haus zu verlassen. Angstpatienten vermeiden den Weg in die Praxis, insbesondere wenn dieser mit angstbesetzten Situationen verbunden ist. Auch akute Krisen können dazu führen, dass Patienten nicht erscheinen, obwohl sie die Sitzung gerade dann am dringendsten bräuchten.

Praktische Hindernisse stellen die zweite wesentliche Ursache dar. Berufliche Verpflichtungen, Kinderbetreuung, weite Anfahrtswege oder Verkehrsprobleme können die Terminwahrnehmung erschweren. In ländlichen Regionen, wo die psychotherapeutische Versorgungsdichte ohnehin gering ist, fallen diese Faktoren besonders ins Gewicht.

Motivationale Defizite betreffen Patienten, die ambivalent gegenüber der Therapie eingestellt sind. Fehlende Einsicht in die Behandlungsnotwendigkeit, unklare Therapieziele oder eine unzureichende therapeutische Allianz können dazu führen, dass Patienten Termine nicht mehr als prioritär empfinden. Gerade in der Anfangsphase der Therapie, wenn die Beziehung noch nicht gefestigt ist, besteht ein erhöhtes Ausfallrisiko.

62 Prozent der niedergelassenen Behandler beschreiben Terminausfälle als relevantes Problem für ihre Praxis (PKV Institut, 2023). Dieses Ergebnis deckt sich mit der klinischen Erfahrung vieler Kolleginnen und Kollegen: Terminausfälle sind kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Herausforderung.

Finanzielle Auswirkungen: Eine unterschätzte Belastung

Die finanziellen Konseqünzen von Terminausfällen werden häufig unterschätzt. Eine einfache Kalkulation verdeutlicht das Ausmaß: Rechnen Sie mit zwei ausgefallenen Sitzungen pro Woche bei einem durchschnittlichen Sitzungshonorar von etwa 100 bis 120 Euro. Über 50 Arbeitswochen summiert sich der jährliche Einnahmeverlust auf über 10.000 Euro. Bei höheren Ausfallraten oder Privatpraxen mit höheren Sätzen steigt dieser Betrag entsprechend. Dieser Betrag entspricht einer erheblichen Einbuße, die weder durch Mehrarbeit noch durch andere Maßnahmen vollständig kompensiert werden kann.

Doch die finanziellen Schäden sind nur eine Dimension. Jeder nicht wahrgenommene Termin bedeutet auch eine verlorene Therapiesitzung, die die Behandlungskontinuität unterbricht und den Therapiefortschritt verzögert. Und jeder blockierte Platz fehlt einem Patienten auf der Warteliste.

Automatisierte Terminerinnerungen einsetzen

Die wirksamste und am besten erforschte Einzelmaßnahme gegen Terminausfälle ist die automatisierte Terminerinnerung. Die Evidenzbasis ist überzeugend und umfasst mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen.

Eine Meta-Analyse von Boksmati et al. (2016) ermittelte für SMS-Erinnerungen eine gepoolte Odds Ratio von 1,62 — das bedeutet, dass Patienten mit SMS-Erinnerung eine um 62 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, ihren Termin wahrzunehmen, als Patienten ohne Erinnerung. Hasvold und Wootton (2011) zeigten in einer weiteren systematischen Übersichtsarbeit eine durchschnittliche Reduktion der Ausfallrate um 34 Prozent durch SMS-basierte Erinnerungssysteme.

Der Cochrane Review von Gurol-Urganci et al. (2013) bestätigte diese Ergebnisse und ermittelte ein relatives Risiko (RR) von 1,14 für die Terminwahrnehmung bei SMS-Erinnerungen — bei gleichzeitig 55 bis 65 Prozent geringeren Kosten im Vergleich zu telefonischen Erinnerungen. Dieser Befund ist besonders relevant für Praxen mit begrenzten personellen Ressourcen: SMS-Erinnerungen sind nicht nur wirksam, sondern auch kosteneffizient.

Für die Implementierung in Ihrer Praxis empfiehlt sich ein zweistufiges Erinnerungssystem: eine erste Erinnerung 48 Stunden vor dem Termin und eine zweite Erinnerung am Vorabend oder am Morgen des Termintages. Die Erinnerung sollte den genauen Termin, die Praxisadresse und eine niedrigschwellige Absagemöglichkeit enthalten. Moderne Praxisverwaltungssysteme bieten entsprechende Automatisierungsfunktionen, die den manuellen Aufwand minimieren.

Praxis-Tipp
Praxis-Tipp: Implementieren Sie ein zweistufiges SMS-Erinnerungssystem (48 Stunden und am Vorabend). Integrieren Sie in jede Erinnerung eine einfache Absagemöglichkeit. Eine rechtzeitige Absage ist für Ihre Praxisplanung deutlich wertvoller als ein unangekündigter Ausfall, da Sie den frei gewordenen Termin noch nachbesetzen können.

Ausfallhonorar rechtssicher gestalten

Ein Ausfallhonorar kann ein wirksames Instrument sein, um die Verbindlichkeit von Terminvereinbarungen zu erhöhen. Seit dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH III ZR 78/21, 2022) steht fest, dass Ausfallhonorare auch bei gesetzlich versicherten Patienten grundsätzlich zulässig sind. Der BGH stützt seine Entscheidung auf das Konzept des Annahmeverzugs gemäß Paragraph 615 BGB: Wenn der Patient den vereinbarten Termin nicht wahrnimmt, gerät er in Annahmeverzug, und der Therapeut behält seinen Vergütungsanspruch.

Allerdings genügt ein Aushang im Wartezimmer allein nicht. Die Psychotherapeutenkammer Berlin empfiehlt eine Absagefrist von 24 bis 48 Stunden. Entscheidend ist, dass das Ausfallhonorar auf einer individualvertraglichen Vereinbarung basiert, die im Behandlungsvertrag verankert ist. Ein allgemeiner Hinweis in der Praxis oder ein Schild an der Rezeption erfüllt diese Anforderung nach der Rechtsprechung des BGH nicht. Die Vereinbarung muss individuell zwischen Therapeut und Patient geschlossen werden und sollte folgende Punkte klar regeln: die Höhe des Ausfallhonorars, die Absagefrist, die Form der Absage und den Hinweis auf die Möglichkeit des Nachweises eines geringeren Schadens.

Wichtiger Hinweis
Rechtlich bindend wird ein Ausfallhonorar nur durch eine individualvertragliche Vereinbarung im Behandlungsvertrag. Ein Aushang im Wartezimmer oder ein allgemeiner Hinweis auf der Praxiswebseite reicht nach der BGH-Rechtsprechung (Annahmeverzug gemäß Paragraph 615 BGB) nicht aus. Lassen Sie sich den Behandlungsvertrag mit der Ausfallhonorar-Klausel von jedem Patienten individuell unterzeichnen.
Bei der Höhe des Ausfallhonorars orientieren sich viele Praxen am regulären Sitzungshonorar, gewähren jedoch einen Abzug für ersparte Aufwendungen. In der Praxis haben sich Beträge zwischen 50 und 100 Prozent des regulären Honorars etabliert. Beachten Sie: Der Patient hat grundsätzlich das Recht, nachzuweisen, dass Ihnen ein geringerer Schaden entstanden ist — etwa wenn Sie den Termin kurzfristig anderweitig besetzen konnten.

Die kommunikative Einführung des Ausfallhonorars ist ebenso wichtig wie die rechtliche Gestaltung. Erklären Sie Ihren Patienten transparent, warum die Regelung existiert: Sie schützt nicht nur Ihre wirtschaftliche Existenz, sondern auch die Therapieplätze anderer wartender Patienten. Wenn diese Begründung offen kommuniziert wird, stößt sie bei den meisten Patienten auf Verständnis.

Digitale Terminbuchung und flexible Absagemöglichkeiten

Die Einführung digitaler Terminbuchungssysteme adressiert ein zentrales Problem: Viele Terminausfälle sind keine bewussten Entscheidungen, sondern Ergebnis von Vergesslichkeit oder praktischen Hindernissen. Wenn Patienten die Möglichkeit haben, Termine selbstständig zu verwalten, zu verschieben oder rechtzeitig abzusagen, wandeln sich potenzielle Ausfälle in verwertbare Absagen.

Der entscheidende Vorteil digitaler Buchungssysteme liegt in der Niedrigschwelligkeit. Ein Patient, der um 22 Uhr feststellt, dass er den Termin am nächsten Morgen nicht wahrnehmen kann, wird in der Regel nicht mehr in der Praxis anrufen. Ein digitales System ermöglicht die Absage unabhängig von Öffnungszeiten und ohne die Hemmschwelle eines persönlichen Telefonats. Für Ihre Praxis bedeutet das: Sie erfahren früher von der Absage und haben mehr Zeit, den Termin anderweitig zu vergeben.

Moderne Systeme bieten darüber hinaus automatisierte Wartelistenfunktionen. Sobald ein Termin frei wird, werden Patienten auf der Warteliste automatisch benachrichtigt und können den Termin direkt buchen. Dieser Mechanismus minimiert Leerlaufzeiten und maximiert Ihre Praxisauslastung.

Bei der Auswahl eines geeigneten Systems sollten Sie auf folgende Kriterien achten: DSGVO-Konformität, Integration in Ihr bestehendes Praxisverwaltungssystem, intuitive Bedienbarkeit für Ihre Patienten und die Möglichkeit zur Konfiguration von Absagefristen und automatischen Erinnerungen. Achten Sie darauf, dass Patientendaten auf Servern in Deutschland oder der EU gespeichert werden.

Videosprechstunde als flexible Alternative anbieten

Die Videosprechstunde hat sich seit der Lockerung der Regelungen während der Pandemie als fester Bestandteil der psychotherapeutischen Versorgung etabliert. Aus der Perspektive der Terminausfallprävention bietet sie einen entscheidenden Vorteil: Sie eliminiert praktische Hindernisse wie Anfahrtswege, Verkehrsprobleme oder eingeschränkte Mobilität.

Eine aktuelle Meta-Analyse von Greenup und Best (2025) ermittelte eine Odds Ratio von 0,61 für Terminausfälle bei Videosprechstunden im Vergleich zu Präsenzterminen. Das bedeutet: Patienten, die eine Videosprechstunde wahrnehmen, haben eine um 39 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, den Termin zu versäumen. Dieses Ergebnis bestätigt die klinische Beobachtung vieler Praxen, die seit der Einführung von Videosprechstunden einen Rückgang der Ausfallraten verzeichnen.

Besonders aufschlussreich ist die Differenzierung zwischen verschiedenen Fernbehandlungsformaten. Muppavarapu et al. (2022) untersuchten die Ausfallraten in einer psychiatrischen Ambulanz und fanden signifikante Unterschiede: Telefontermine wiesen mit 7,8 Prozent die niedrigste Ausfallrate auf, gefolgt von Präsenzterminen mit 16,0 Prozent und Videoterminen mit 17,1 Prozent. Dieses zunächst überraschende Ergebnis legt nahe, dass Videosprechstunden nicht per se weniger Ausfälle produzieren als Präsenztermine. Der Vorteil der Videosprechstunde zeigt sich vielmehr in spezifischen klinischen Kontexten, etwa bei Patienten mit Mobilitätseinschränkungen, langen Anfahrtswegen oder Agoraphobie.

Für die Praxis bedeutet das: Die Videosprechstunde sollte nicht als genereller Ersatz für Präsenztermine positioniert werden, sondern als flexible Ergänzung. Bieten Sie Patienten, die einen Präsenztermin nicht wahrnehmen können, aktiv die Alternative einer Videositzung an. Auf diese Weise verwandeln Sie einen drohenden Ausfall in eine therapeutisch wertvolle Sitzung. Die Kombination aus regulären Präsenzsitzungen und situativ eingesetzten Videoterminen bietet ein Höchstmaß an Flexibilität und therapeutischer Kontinuität.

Gut zu wissen
Studienergebnis im Detail: Die Daten von Muppavarapu et al. (2022) zeigen, dass die Ausfallrate bei Videoformaten (17,1 Prozent) geringfügig über der bei Präsenzterminen (16,0 Prozent) lag, während Telefontermine die niedrigste Rate aufwiesen (7,8 Prozent). Der Vorteil der Videosprechstunde für die Ausfallreduktion zeigt sich daher vor allem bei spezifischen Patientengruppen mit praktischen Hindernissen, nicht als genereller Effekt.

Therapeutische Beziehung als Schutzfaktor stärken

Die therapeutische Allianz ist nicht nur ein zentraler Wirkfaktor der Psychotherapie, sondern auch ein bedeutsamer Schutzfaktor gegen Terminausfälle. Patienten, die eine starke Bindung an ihren Therapeuten und den Therapieprozess erleben, nehmen ihre Termine zuverlässiger wahr. Cooper et al. (2016) zeigten, dass die Kombination aus einer stabilen therapeutischen Allianz und einem aktiven Einbezug des Patienten in den Therapieprozess — etwa durch therapeutische Hausaufgaben — signifikant mit geringeren Abbruch- und Ausfallraten korreliert.

Die Stärkung der therapeutischen Beziehung beginnt bereits vor der ersten Sitzung. Ein kurzes telefonisches Vorgespräch oder eine persönliche Begrüßungsnachricht kann die Hemmschwelle senken und ein erstes Gefühl der Verbundenheit schaffen. In den Anfangssitzungen empfiehlt es sich, ausreichend Zeit für den Beziehungsaufbau einzuplanen. Erkundigen Sie sich aktiv nach den Erwartungen, Befürchtungen und Vorerfahrungen Ihrer Patienten.

Im Therapieverlauf sind regelmäßige Allianz-Assessments ein bewährtes Instrument. Der Working Alliance Inventory (WAI-SR) erlaubt in wenigen Minuten eine standardisierte Erfassung der Beziehungsqualität aus Patientensicht. Diskrepanzen zwischen Ihrer Einschätzung und der des Patienten werden so frühzeitig sichtbar, bevor sie zu Terminausfällen oder Therapieabbrüchen führen.

Die aktive Gestaltung von Allianz-Rupturen ist ein weiterer wesentlicher Aspekt. Wenn ein Patient einen Termin versäumt hat und anschließend wiederkommt, bietet sich die Gelegenheit, die Ursache offen zu explorieren. Vermeiden Sie dabei eine vorwurfsvolle Haltung. Zeigen Sie stattdessen genuines Interesse an den Gründen und erarbeiten Sie gemeinsam Lösungen, um zukünftige Ausfälle zu vermeiden. Eine solche Haltung stärkt die Allianz nachhaltig und senkt das Risiko weiterer Ausfälle.

Wartelisten-Management optimieren und Ausfälle produktiv nutzen

Die effiziente Bewirtschaftung Ihrer Warteliste ist ein entscheidender Hebel, um die negativen Auswirkungen von Terminausfällen abzufedern. Wenn ein Patient absagt, sollte der frei gewordene Termin schnellstmöglich nachbesetzt werden können. Bei einer durchschnittlichen Wartezeit von 142 Tagen auf einen Therapieplatz in Deutschland (BPtK, 2020) mangelt es in der Regel nicht an Patienten, die bereit sind, kurzfristig einen Termin wahrzunehmen.

Führen Sie eine strukturierte Warteliste mit Patienten, die für kurzfristige Termine verfügbar sind. Differenzieren Sie dabei nach Verfügbarkeit: Manche Patienten können nur an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Zeiten kommen, andere sind flexibel. Dokumentieren Sie auch bevorzugte Kontaktkanäle und die kürzeste akzeptable Vorlaufzeit. Je detaillierter Ihre Warteliste gepflegt ist, desto schneller gelingt die Nachbesetzung.

Digitale Wartelistenfunktionen, wie sie in modernen Praxisverwaltungssystemen integriert sind, automatisieren diesen Prozess erheblich. Bei einer Terminabsage wird automatisch eine Benachrichtigung an die nächsten passenden Patienten auf der Warteliste gesendet. Der erste Patient, der bestätigt, erhält den Termin. Dieser Mechanismus reduziert den manuellen Aufwand auf ein Minimum und maximiert Ihre Auslastung.

Sollte es trotz aller Maßnahmen zu einem Ausfall kommen, nutzen viele Therapeuten die Zeit für die aufgelaufene Dokumentation. Mit KI-gestützter Transkriptionssoftware lässt sich diese Zeit doppelt effizient nutzen, um den Fokus schnell wieder auf den nächsten Patienten richten zu können. Statt mühsam Sitzungsnotizen aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren, kann die Dokumentation der vorangegangenen Sitzungen in wenigen Minuten fertiggestellt werden.

Praxis-Tipp
Wartelisten-Automatisierung: Pflegen Sie eine differenzierte Warteliste mit Angaben zu Verfügbarkeit, bevorzugtem Kontaktkanal und minimaler Vorlaufzeit. Nutzen Sie die automatische Benachrichtigungsfunktion Ihres Praxisverwaltungssystems, um frei gewordene Termine schnell nachzubesetzen. Jeder erfolgreich nachbesetzte Termin ist ein gewonnener Behandlungsplatz.

Kombination der Ansätze: Ein systematisches Vorgehen

Die vorgestellten sieben Ansätze entfalten ihre volle Wirkung erst in der Kombination. Automatisierte Terminerinnerungen adressieren Vergesslichkeit, die Videosprechstunde beseitigt praktische Hindernisse, die therapeutische Allianz stärkt die Motivation, und das Wartelisten-Management fängt verbleibende Ausfälle auf. Ein systematisches Vorgehen bedeutet, diese Elemente aufeinander abzustimmen und kontinuierlich zu evaluieren.

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme: Wie hoch ist Ihre aktuelle Ausfallrate? Welche Patienten fallen besonders häufig aus? Gibt es Muster bezüglich Wochentag, Tageszeit oder Therapiephase? Diese Analyse liefert die Grundlage für gezielte Interventionen. Führen Sie anschließend die Maßnahmen schrittweise ein und messen Sie deren Wirkung. Nur durch kontinuierliche Evaluation können Sie feststellen, welche Kombination für Ihre spezifische Praxis am wirksamsten ist.

Die Reduktion von Terminausfällen ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess der Praxisoptimierung. Mit den hier vorgestellten evidenzbasierten Ansätzen haben Sie die Grundlage, um diesen Prozess systematisch und nachhaltig zu gestalten. Jeder vermiedene Ausfall bedeutet nicht nur einen wirtschaftlichen Gewinn für Ihre Praxis, sondern auch eine Therapiesitzung, die einem Patienten zugutekommt — und einen Schritt weniger Wartezeit für die Patienten auf Ihrer Warteliste.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle rechtliche oder betriebswirtschaftliche Beratung. Bei konkreten Fragen zur Gestaltung von Ausfallhonorar-Regelungen konsultieren Sie bitte einen auf Medizinrecht spezialisierten Rechtsanwalt oder Ihre zuständige Psychotherapeutenkammer.

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Quellen

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Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine medizinische, therapeutische oder rechtliche Beratung dar. Clara Health übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Verantwortung. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich bitte an eine qualifizierte Fachperson.

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